Sie sind hier: Startseite > Aktuelles Thema > Des Kaisers neue Kleider

"Des Kaisers neue Kleider" oder "sie dreht sich doch"

 

Sie kennen sicher das Märchen:" Des Kaisers neue Kleider". Für die Personen welche diese Geschichte nicht kennen, erzähle ich eine Kurzversion.
Ein Betrüger verspricht dem eitlen Kaiser ein neues Kleid, das die Welt noch nie gesehen hat. Der Kaiser kommt täglich sein Kleid anprobieren. Der Betrüger hat jedoch nichts entworfen und tut so als habe er den schönsten Stoff in den Händen. Am Anfang kommt es dem Kaiser komisch vor, da er absolut nichts sieht. Doch wollte er nicht dumm dastehen. Und so hat der Kaiser sich mit der Zeit überzeugen lassen, dass er das schönste aller Kleider auf der Erde besitzt. In dieser ganzen Zeit hat der Betrüger ein warmes Zuhause und genügend zu Essen. Doch der Tag kommt, an dem der Kaiser sein neues Kleid dem Volk präsentieren will. Es wird ein Festzug veranstaltet an dem das ganze Volk das neue Kleid des Kaisers bewundern kann. Mann und Frau, arm und reich bestaunen das neue Kleid. "Aah, Ooh, ist das wunderbar", tönt es aus aller Mund. Der Kaiser sonnt sich in all diesen Ehrbezeugungen. Mitten der kaiserlichen Modeschau ertönt ein Schrei. " Der Kaiser ist ja nackt, der hat gar keine Kleider an!" Es ist ein Kind das immerfort das Gleiche schreit. Nun reagiert auch das Volk. Die Einen lachen die Anderen spotten. Oder es wird die Geschichte weiter verbreitet, dass dies das schönste Kleid ist, weil man Angst hat vor dem Zorn des Kaisers. Der Kaiser der ja schon früher die Wahrheit gekannt hat, sich jedoch blenden gelassen hat, wird zornig. Er befiehlt den Betrüger einzusperren, doch der ist schon über alle Berge. Zurück bleibt ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen Volk und dem Kaiser. Und Fragen wie solches geschehen kann ohne das es aufgedeckt wird.
So, dies ist die Vorgeschichte zu meinem aktuellen Thema. Es sind Fragen, welche ich an mich und die Gesellschaft in der ich lebe stelle.


Ich schreibe dies aus Sicht eines Menschen, der einer Minderheit angehört. "Pardon, ich bin praktizierender Christ." In meinem Alltag stelle ich immer wieder fest, wie alle Themen in der Gesellschaft demokratisch gelöst werden wollen. Ich bin froh in einer Demokratie leben zu dürfen, da jeder seine Meinung äussern darf. Doch auch Demokratie stösst meiner Meinung nach an Grenzen. Nämlich dort wo es nicht mehr um Sachthemen geht, sondern um Werte wie Moral, Umgang mit dem Nächsten oder der Schöpfung.
Anhänger der Demokratie vertreten die Meinung, dass immer die Meinung der Mehrheit recht hat. Man ermittelt die Entscheidungen durch Abstimmungen und es gibt eine Mehrheit und eine Minderheit. Für mich ist es klar, dass die Minderheit das Resultat respektiert. Doch zeigt es sich immer öfter, dass die Mehrheit einer Abstimmung erwartet, dass die Minderheit nicht nur den Entscheid respektiert, sondern auch deren Inhalt und Meinung übernimmt. Wenn man nicht das Gedankengut der Mehrheit teilt, wird man schnell als Fundamentalist oder was schlimmer ist als Fanatiker gebrandmarkt.


Kann eine Gesellschaft erwarten, dass Mitglieder die andere Werte und Normen vertreten einfach die Meinung der Mehrheit übernehmen müssen? Es geht hier nicht um Anarchie, Gewalt oder Kampf gegen die Demokratie usw. Ich rede hier von moralischen Wertvorstellungen und zwischenmenschlichen Beziehungen.
Ich möchte dies anhand zweier Zündstoffthemen aufzeigen.


Das erste Beispiel betrifft die Abtreibung. Sie wurde durch Abstimmungen legalisiert. Die Mehrheit des Volkes vertritt die Meinung, die Frau soll alleine über ihren Körper bestimmen und frei entscheiden können werdende Kinder abtreiben zu lassen.
Dieses Abstimmungsresultat muss ich respektieren. Muss ich mich jedoch auch mit dem Entscheid identifizieren, obwohl ich weiss was für schreckliche Schuldgefühle und psychische Störungen dabei herauskommen können? Für mich bleibt es Mord, Da ich andere moralische Werte vertrete als die Mehrheit, bleibt für mich Abtreibung Mord. Ich kann mir doch nicht eine Wertvorstellung überstülpen lassen, die meiner entgegenläuft. So wie die Frau ihre Meinung über eine freie Entscheidung fällt in Bezug auf ihren Körper.


Das zweite Thema betrifft der Umgang mit der Homosexualität in unserer Gesellschaft. Die Lobby der gleichgeschlechtlichen Liebe kämpft mit viel Geld und Druck in der Gesellschaft für Akzeptanz und Anerkennung. Sie hat durch Abstimmungen schon viel erreicht, wie zum Beispiel eingetragene Partnerschaft, kirchliche Heirat und jetzt möchten sie auch noch freie Adoption von Kindern.
Auch hier muss ich die Abstimmungsergebnisse stehen lassen. Doch eines verstehe ich nicht. Wieso wollen die Organisationen wie Pink Cross in jeder Diskussion (z.B. Arena), dass man ihr Lebensstil als gut übernimmt? Wieso ist es ihnen so wichtig, dass sie kirchlich getraut werden dürfen, obwohl der Gott der Christen sagt, dass diese Praktiken ihm ein Greuel sind ( 3. Mose 16)? Für mich ist die Ausübung der Homosexualität ein Fehlvehalten vor Gott. Ich kann doch jetzt nicht einfach die Meinung der Mehrheit übernehmen, welche sagt diese sexuelle Praktis sei in Ordnung, wenn sie sich gegen meine Moralvorstellungen richtet. Es geht mir nicht darum homosexuelle Menschen zu ächten oder zu strafen, da sie wie jeder andere Mensch Rechenschaft über ihr Leben vor Gott abgeben müssen. Es geht mir darum,dass ich meine Meinung halten und äussern darf, ohne ein Spiessrutenlauf durchleben zu müssen.


Ich komme wieder auf das Märchen das am Anfang meines Themas steht zurück. Die Mehrheit der Gesellschaft sah das Geschaffene als bewundernswert an. Die Einen glaubten diese Lüge, Andere sahen die Wahrheit doch äusserten sich nicht. Doch die Stimme eines unmündigen Mitgliedes der Gesellschaft brachte die Wahrheit zum Vorschein. Dies hatte zur Folge, dass jeder nochmals für sich entscheiden musste, was er glauben wollte.


Im Titel steht ein Zitat von Galileo Galilei der die Bewegung der Planeten erforschte und erkannte, dass sich die Erde um die Sonne drehte. Dies stand der klerikalen Wissenschaft total entgegen und er musste (soweit die Legende) in einem Inquisitionsverfahren seine Erkenntnis als falsch widerrufen. Er machte dies, soll jedoch gemurmelt haben: "Und sie dreht sich doch".

Dies bringt mich zu meiner Schlussaussage. Eine Mehrheit kann kraftvoll vertreten, dass eins und eins drei gibt. Die Wahrheit bleibt jedoch bestehen: "Dass eins und eins zwei gibt"


Wenn jemand zu diesem Thema einen Kommentar schreiben möchte, kann er im Forum eine Diskussion eröffnen.
Es würde mich freuen wenn eine konstruktive Diskussion stattfinden dürfte.